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Persönlichkeiten der Halleschen Kirchengeschichte

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814)

Johann Friedrich Reichardt war ein wichtiger Komponist und Musikschriftsteller. 1794 ernannte man ihn zum Salinedirektor in Halle.

25. November 1752 Johann Friedrich Reichardt wird in Königsberg als Sohn des Stadtmusikus Johann Reichardt, eines geschätzten Lautenlehrers, geboren.
1762 beginnt der Vater R. mit seinem "Wunderknaben" Konzertreisen im Raum zwischen Riga und Danzig.
1768 wird R. auf Betreiben Kants als Student der Rechtswissenschaft an der Universität Königsberg immatrikuliert. Das Studium wird weitgehend durch ein ungebundenes Studentenleben verdrängt.
1771 entgeht R. einer bürgerlichen Berufswahl durch eine unter Sturm- und Drang-Zeichen stehende Virtuosenreise.
1774 kehrt R. nach Königsberg zurück. Er wird preußisch-extraordinärer Kammersekretär in Ragnit und scheint den Musikerberuf aufgeben zu wollen.
1775 beruft Friedrich II unerwartet R. als königlich-preußischen Kapellmeister.
1777 zieht sich R. resignierend zurück, heiratet Juliane Benda, die ihm 3 Kinder zur Welt bringt und verlegt seine Haupttätigkeit auf die Abfassung von Schriften, Liedern und Instrumentalwerken.
1783 erste Italien-Reise R.s Auf der Rückreise sucht er in Wien Gluck und Kaiser Josef II auf. Am 5. Mai stirbt seine Frau Juliane. Bereits am 14. Dezember heiratet er in Hamburg die verwitwete Johanna Dorothea Wilhelmina Alberti-Hensler, die ihm fünf Kinder zur Welt bringt.
1785 erhält R. von seinem König Urlaub zu einer Reise nach London; anschließender Aufenthalt in Paris. Nur widerwillig begibt er sich wieder nach Berlin, wo er sich vor allem dem Aufbau von "Concerts spirituels" widmet.
1786 reist R. abermals nach Paris. Kehrt ohne nachhaltigen Anklang zurück. Am 17. August stirbt Friedrich II. R. begibt sich eiligst nach Berlin. Auch der neue Landsherr Friedrich Wlhelm II vermag ihn nicht gänzlich an Berlin zu fesseln. Engere Beziehungen zu Goethe, Schiller und Herder.
1788 versucht R. abermals sein Glück in Paris.
1790 reist R. nach Neapel. Sein Sympathisieren mit der Frz. Revolution verstärkt in Berlin feindliche Stimmung gegen ihn.
1792 ausgedehnte Frankreich-Reise R.s.
1793 lebt R. in Hamburg und Skandinavien.
1794 wird R. ohne Pension als kgl. Kapellmeister entlassen. Er verläßt die Hauptstadt und übersiedelt nach Giebichenstein, kauft am 4. Juli das Kästnersche Kossätengut.
1796

wird R. begnadigt und zum Direktor der Fränkischen Salzexpedition ernannt. Er war damit zwar F. W. von Leyser unterstellt, allerdings nicht Mitglied des königlich preußischen Salzamtes in Halle. Jedoch erhielt Reichardt einen Teil seiner beträchtlichen Einkünfte aus der Beteiligung an den fränkischen Salzverkäufen.

Quellen: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, F 39, Nr. 442, Bd. 4: Palm, Johann Carl Wilhelm, Pragmatische Geschichte…, Vierter Theil, Betrieb und innere Beschaffenheit der Königlichen Saline zu Halle. 1802, S. 219f. »Zur Verwaltung der hierbeÿ anfallenden Geschäfte ist eine besondere, von dem Salzamte unabhängige Spedition errichtet, welche aus dem Capellmeister Reichard und dem Assessor Joÿard besteht. Ersterer genieße dafür eine sehr ansehnliche Besoldung aus dortigen Salz-DebitsCaße, beÿden ist die Beförderung dieses Debits äußerst anempfholen…«

Ebd., F 39 Nr. 461 Bd. 2, Dunker, Franz Carl Friedrich Christian, Die Beschreibung der Salinen in Halle …,  1828, S. 118: »Der Kapellmeister Reichard erhielt unterm 14ten Julÿ 1796 den Auftrag, das Salzwesen in den Fürstenthümern Anspach und Baÿreuth zu untersuchen, worüber er sub  dato Giebichenstein den 25ten September und 4ten October desselben Jahres seine Berichte erstattete…«

Ebd., S. 121: »Die General=Salz=Administration in Berlin hatte bereits unterm 25ten September 1796 eine besondere Commission zu Bearbeitung der Fränkischen Debitssachen in Halle angeordnet, die aus dem Kapellmeister Reichard und dem Salzamts Assessor Joÿard bestand, und das Salz=Departement bestimmte durch Rescript an das Salzamt d. d. Berlin den 19ten Junÿ 1797 wie der Debit nach Franken von neuem eingerichtet werden sollte.«

Giebichenstein wird zur "Herberge der Romantik".
1802 dämpft R.s Paris-Reise seine frankophile Begeisterung beträchtlich. Wird zu einem der erbittertsten Feinde Napoleons.
1806 flieht R. nach der Besetzung und Plünderung seines Besitztums durch frz. Truppen nach Danzig. Beteiligt sich als preußischer Patriot an der Verteidigung seiner Heimatprovinz.
1807 wagt R., in sein verwüstetes Gut zurückzukehren. Den völlig Verarmten ernennt König Jérôme in Kassel zu seinem Generaldirektor der Theater. Nur knappe zehn Monate vermag sich R. zu halten. Wird nach Wien abgeschoben, wo er 1808 eintrifft.
1808 macht R. das Erlebnis von Haydn, Mozart und Beethoven verspätet für die Wiener Klassik aufgeschlossen.
1812/ 13 unternimmt R. letzte Reisen nach Berlin, Breslau und Leipzig. Die Mitwelt vergißt ihn und sein Werk.
1814 R. stirbt an den Folgen eines Magenleidens.


Quellen und weitere Informationen:
www.universitaetschor-halle.de


 
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